Aus (2019) Blick (2020). Meine Formel für die Vorsätze: 3 x Mehr, 3 x Weniger & 3 x Gleich

“Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne, der uns beschützt und der uns hilft zu leben.”

Hermann Hesse

Da ist sie wieder. Diese Zeit. Diese ominöse Zeit ‘zwischen den Jahren’. Geliebt von der einen, gehasst von der anderen Seite. Vereinigt durch das Festmahls- und Lebkuchenkoma und oft in der Horizontalen, ziehen wir Bilanz und werfen Blicke zurück und nach vorne – unbewusst & ungewollt (häufiger) oder bewusst & gewollt (seltener). Dabei kann das schon eine lohende und durchaus spannende Beschäftigung sein: das Reflektieren, Bilanzieren und Vornehmen von positiven Veränderungen.

Ich, für meinen Teil, finde die beste Balance zwischen der guten – Motivation, Euphorie und Zielstrebigkeit durch Vorsätze – und der dunklen Seite der (Ziel)Macht – Demotivation, Selbsthass und Frust durch Nichterreichung der (oft unrealistischen) Vorsätze – durch mein selbst gestricktes 3 x Mehr, 3 x Weniger, 3 x Gleich -Modell. Basis des Modells ist zum Einen, den Prozess und nicht das finale Ziel zu konkretisieren.

Durch die – zugegeben banalen – Begriffe Mehr, Weniger und Gleich versuche ich auf der anderen Seite auszudrücken, dass gewisse Aktivitäten schon ganz gut laufen und fortgesetzt werden können (= Gleich) wohingegen andere für die Erweiterung meines Lebensglückes im neuen Jahr aufgestockt (= Mehr) oder ordentlich gekürzt (= Weniger) gehören. Nützlich finde ich daran besonders, dass man altes und neues Jahr miteinander in Verbindung bringen kann.

MEHR

  • Private Konversation mit meinen Freunden und Bekannten aus alter und neuer Heimat. Ich weiß nicht, wie es dir geht, aber ich komme heutzutage bei 10 Versuchen, jemand mobil zu erreichen, im ersten Anlauf vielleicht einmal durch. Vielleicht liegt es daran, dass Smartphones, uns mit ihren ganzen Apps smart vom eigentlichen Telefonieren abhalten. Jedenfalls ziehe ich aus einem richtigen Gespräch oder wenigsten einem Telefonat mehr als aus Nachrichten oder Kommunikation über soziale Netzwerke, weswegen ich das im nächsten Jahr ausbauen möchte.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Kommunikation von festen Telefonzeiten zu denen ich ab sofort immer erreichbar bin und Abfrage wann Andere gut zu erreichen sind (in meinem Fall ist das Telefon ein probates Mittel, da ich nicht mehr in Deutschland lebe)
  • 30-minütige Spaziergänge ohne jegliche Ablenkung.
    Im Rahmen einer meiner Monatschallenges konnte ich bereits spüren, wie unglaublich befreiend und wohltuend längere Spaziergänge ohne digitale Begleiter sind. Nach dem gelungenen Selbstexperiment war die Spaziergangquote allerdings wieder stark rückläufig, weswegen das Thema jetzt auf offiziell auf meiner Verbesserungsliste für das nächste Jahr kommt.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Outfit und Schuhe schon beim Ins-Bett-Gehen platzieren und sofort in der Früh nach dem Aufstehen los (bevor die anderen Familienmitglieder wach sind)
  • Oldschool Reisen
    Im Jahr 2020 möchte ich dem Weg beim Reisen wieder seine Ehre zurückgeben und ihn nach Möglichkeit von Mietwagenrückgabe-Checkin-Billigfluglinie-Schnellankommen-Stress befreien – zumindest wenn ich mit der Familie unterwegs bin. Die Flugreisen haben für mich schon seit längerem ihren alten Reiz verloren und fühlen sich oft nicht mehr richtig an. Oldschool-Reisen bedeuten für mich dass schon der Weg dazu gehört und ich mir Zeit nehme nach links und rechts zu schauen, also Fähren, lange Auto-/Zugfahrten, Übernachtungen auf dem Weg, Roadtrips, etc.
    Integration des Prozesses in den Alltag: jede Reise im neuen Jahr kommt auf den Prüfstand. Neben der normalen Flugroute werde ich recherchieren, ob es eine Alternative gibt und – sofern es irgendwie machbar ist – die längere Route wählen.
Photo by Danielle MacInnes on Unsplash

WENIGER …

  • Einfach drauf losarbeiten
    Ich halte mich seit einigen Wochen schon recht erfolgreich an dem im tollen Buch Make Time skizzierten Ablaufplan und habe mein Zeit- und Prioritätenmanagement auf ein neues Niveau gebracht.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Im neuen Jahr 2020 möchte ich es schaffen, wirklich jeden Tag (auch Samstag und Sonntag) in der Früh meine Front Burner, Back Burner und Kitchen Sink (mehr Infos dazu hier) Tätigkeiten zu definieren.
  • Auf dem Zeitplan anderer Menschen stehen
    Meine Erfahrung zeigt: wenn ich nicht gleich in der Früh mit meinem wichtigsten Punkt (= Front Burner, The One Thing) anfange , verliere ich mich schnell in einem belanglosen Strom aus Whatsapp-Nachrichten-Antworten, Linkedin-Statuschecks und vermeintlicher E-Mail-Dringlichkeit (siehe auch nächster Punkt). Hier bin ich ich dann meist auf dem Zeitplan anderer Menschen und vergesse meine eigenen Ziele und Prioritäten. Mittel- und langfristig, so zeigt es die Erfahrung und Literatur, bringt mich wirklich nur Deep Work meinen Zielen näher und nicht eine mühsam leergefegter Posteingang. Das Fleißkärtchen für einen täglich leergefegten Posteingang interessiert jedenfalls in Wahrheit keinen Mensch und bringt weder Rendite noch Glück.
    Integration des Prozesses in den Alltag: In der Früh sofort mit meinem wichtigsten Punkt anfangen und mein Telefon bis mindestens 12 Uhr auf Flugmodus stellen.
  • Zeit für WhatsApp, LinkedIn und E-Mails aufwenden
    Kurz vor Weihnachten habe ich damit angefangen, nur einmal am Tag meine Nachrichten zu checken und zu beantworten. Im kommenden Jahr möchte ich diesen definitiv beibehalten, denn es ist eine Wohltat für meine Nerven und Zeit.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Nur einmal am Tag kurz vor der Mittagspause alle E-Mails, Whatsapp-, Linkedin- und sonstigen Nachrichten zu lesen und zu beantworten

GLEICH

  • Meditation: Manchmal kam 2019 das Leben dazwischen, aber immer wenn ich es mache, geht es mir im weiteren Verlauf des Tages mindestens 10 Prozent besser. Auch 2020 werde ich es sicher nicht täglich schaffen, aber die Quote von letzten Jahr werde ich halten.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Meine Empfehlung ist, die Meditationsapp von Sam Harris gleich in der Früh anzuwerfen und die 10 Minuten in sich selbst zu investieren.
  • Sport: Einen Leben ohne regelmäßigen Sport und für mich nicht mehr denkbar. Hier habe ich mir über die Jahre eine Selbstverständlichkeit erarbeitet, von der ich in anderen Bereichen noch weit entfernt bin. Im neuen Jahr möchte ich auf einen Durchschnitt von 4 x mal pro Woche kommen. Im Fokus dabei Spielsport (Padel und Tennis), Laufen und Übungen mit dem eigenen Körpergewicht (z.B. nach Trainingsplänen von Mark Lauren oder Paul Wade).
    Integration des Prozesses in den Alltag: am Sonntag den Sportplan für die nächste Woche aufstellen.
  • Lesen: In meinem Leben habe ich viel zu viel Zeit für Fernsehen verschwendet – Bücher geben mir seit einigen Jahren so viel mehr und der Griff zum Buch kostet mich keine Überwindung mehr. Wichtig für mich ist ein gesunder Mix aus Fach- und Sachbüchern auf der einen und Hör-, Kindle-, und Taschenbüchern auf der anderen Seite.
    Integration des Prozesses in den Alltag: Lesezeiten im Kalender eintragen und sich daran halten.

Wie schauen deine Vorsätze für 2020 aus? Von was brauchst du MEHR, WENIGER oder GLEICH in deinem Leben? Schreib mir einen Kommentar.

P.S.: Diese 3 Bücher stehen auf meiner Liste für den Januar 2020 (Bericht folgt):

Range: Why Generalists Triumph in a Specialized World von David Epstein

The Great Nowitzki: Das außergewöhnliche Leben des großen deutschen Sportlers von Thomas Pletzinger

Principles: Life and Work von Ray Dalio

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