Erfolg breiter definieren

„Bewerte deine Erfolge daran, was du aufgeben musstest, um sie zu erzielen.“

Dalai Lama

Für viele Menschen in meinem und wahrscheinlich auch deinem Leben ist derjenige erfolgreich, der Geld macht. Punkt. Viel Geld = Viel Erfolg. Wenig Geld = wenig Erfolg. Wenn jemand sagen würde, dass er seit 6 Monaten keinen Job hat, aber nichtsdestotrotz im Leben insgesamt gerade sehr erfolgreich ist (zum Beispiel als Freund, Familienvater, im Sport), wäre wohl die Gedankenblase bei vielen „Ja, ja, passt schon – lüg dir nur in die Tasche, Alter“.

Ich bin nicht naiv und bin mir bewusst, dass jeder, der nicht zufällig einen Doktor in angewandten Minimalismus hat oder ganze Tage mit leerem Magen einfach wegmeditiert, Kohle verdienen will und muss. Die Arbeit – welche im besten Fall sogar Spaß macht – definiert zu einem guten Teil die Qualität unseres Lebens. Gehalt und Status geben Orientierung und steigern Motivation und Selbstwert. Gefährlich es, wenn das Prinzip ‚MEHR‘ zur alleinigen Triebfeder wird. Wenn aus Orientierung Fixierung wird. Die Forschung zeigt zwar eindeutig dass Geld in Relation zum Lebensglück einen abnehmenden Grenznutzen hat. Aber Professoren – pffffff, wenn die es richtig drauf hätten, wären die doch auch in der Wirtschaft und nicht mit tattriger Hand am Flipchart, oder?

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Der Kapitalismus als Grundmelodie unserer sozialen Marktwirtschaft ist in meinen Augen zwar besser als sein Ruf – manche behaupten sogar, in einer kompromisslosen, konsequenten Umsetzung wäre er gar die Lösung und nicht das Problem – allerdings führt seine Dominanz, Omnipräsenz und schonungslose Vergleichbarkeit in den meisten Ländern auch dazu, dass wir permanent Gefahr laufen, Erfolg rein monetär und damit viel zu eng zu definieren.

Ein weiteres Problem, Erfolg vorzugsweise nach objektiven (wie stehe ich im Vergleich da?) statt nach subjektiven Kriterien (was tut mir wirklich gut?) zu bewerten. Obwohl wir wissen dass der Spruch „Geld allein macht nicht glücklich“ stimmt, ziehen wir daraus zu wenige echte Schlussfolgerungen für unser Leben und hinterfragen selten, was wirklich glücklich macht. Durch die Passivität wie wir unseren Erfolg durch monetäre Kennzahlen von außen objektivieren lassen, geben wir die Verantwortung dafür ab, eine eigene Erfolgsdefinition zu suchen und zu finden. Dabei birgt eine breitere Auslegung ein riesiges Potential sowohl für deine gesamte persönliche Entwicklung als auch für dein Selbstwertgefühl, wenn man eben nicht zu den – Achtung Business-Kasperl-Alarm – Top-Performern gehört oder seinen ganzen Statuskram verliert.

„Bye Bye Homo Oeconomicus – Hallo Homo Completicus“

Würde ich selbst der eindimensionalen, monetären Standard-Definition von Erfolg folgen, wäre ich wohl ständig ziemlich frustriert: Keine eigene Immobilie, keine Luxusgüter und keine teuren Urlaube. Ja noch nicht einen lumpigen Kleinwagen kann ich mein Eigen nennen. Was ist mit dem Typen verkehrt? Dafür hat er studiert? Um mit Anfang 40zig noch rumzukrebsen mit der Aussicht im Alter Zwieback zu lutschen und Flaschen zu sammeln – Oh Gott, Oh Gott.

Auf der anderen Seite lebe ich dort, wo andere Urlaub machen, arbeite ausschließlich an Themen die mir Spaß machen, habe Zeit für Faulheit & Hobbies, sehe meine beiden Kinder tatsächlich aufwachsen (und nicht nur schlafend), kann monatlich trotzdem einige Euros im Sparstrumpf verstecken und fühle mich körperlich und geistig wesentlich fitter, gesünder & ausgeglichener als mit Mitte 20. In dieser Phase stand ich noch semi-motiviert und ziemlich planlos vor der Karriereleiter rum.

Also, was jetzt: bin ich in deinen Augen erfolgreich oder nicht? Gute Frage, die Antwort ist mir allerdings mittlerweile auch nicht mehr so wichtig. Statt nämlich wie früher zu viel Wert auf die Bewertung meines Erfolgs von außen (z.B. durch Freundeskreis, Familie, Medien) zu geben, zählt für mich fast nur noch die eigene Definition von Glück und Erfolg und wie ich dieser am besten gerecht werden kann.

„Nicht Erfolg ist der Schlüssel zum Glück, sondern Glück ist der Schlüssel zum Erfolg. Wenn du gerne tust, was du tust, wirst du auch erfolgreich sein.“

Albert Schweitzer
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Diese ist eben mittlerweile wesentlich breiter als einzig und allein auf den schnöden Mammon ausgerichtet. Ob es nun tatsächlich 5 große Blöcke wie bei mir oder mehr oder weniger große Themen in deinem Leben sind, ist nicht entscheidend. Wichtig ist, dass du dir die Zeit nimmst zu überlegen, was für dich wirklich zählt im Leben. Dein persönlicher Erfolg ist dann – wie in einem ausgewogenen Portfolio – eben nicht mehr ausschließlich abhängig vom Abschneiden in einer Teildisziplin (z.B. deinem Job). Den Fokus auf mehrere Ebenen zu legen, hat auch den Vorteil, dass für dich nicht gleich eine Welt zusammenbricht, wenn dein Arbeitsplatz von heute auf morgen wegstrukturiert oder von Robotern übernommen wird. Hast du beispielsweise 4 Themen gefunden – Familie & Freunde, Gesundheit, Abenteuer, Karriere – die gleichermaßen wichtig für dich sind (zugegeben stark vereinfachtes Modell bzw. Beispiel), macht der Totalausfall in einer Kategorie nur 25 Prozent aus.

Des Weiteren kannst du durch die Vogelperspektive der Gefahr vorbeugen, vor lauter Geld scheffeln das eigentliche Ziel nicht mehr zu sehen. Schön dargestellt in der Geschichte des mexikanischen Fischers der auf einen amerikanischen Banker trifft.

Was ist deine Definition von Erfolg? Was sind deine Big 3, 5 oder 10? Schreib mir einen Kommentar.

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