Generalist versus Spezialist. And the winner is …

… of all Trades. Mit diesem Ausdruck bezeichnet der Ami den Generalisten. Hierzulande heißt er putziger Weise Hansdampf in allen Gassen oder Tausendsassa und ist der natürliche Gegenspieler des Spezialisten.

Grundsätzlich geht um die Frage, ob man eher als Generalist oder als Spezialist durchs Leben gehen will. Natürlich ist das ein hypothetischer Wettbewerb und hier und da gibt es Überschneidungen (auch ein Spezialist generalisiert manchmal und andersrum). Trotzdem kann es Sinn machen, sich die Unterschiede vor Augen zu führen und in der Konsequenz seinen Favoriten zu wählen. Für diesen Blog aber auch für mein Leben habe ich diese Wahl bereits getroffen und mich entschieden als Hans Dampf in allen Gassen zu geben … oder so ähnlich. Toolzeit soll gute Werkzeuge vermitteln aber eben nicht nur Hammer sondern eine ganze Werkzeugkiste – die Anwendungsbereiche sind dabei vielfältig.

Dabei ist die Entscheidung, ein Generalist zu sein gar nicht so eindeutig oder gar banal. Spezialisten sind sehr gefragt in diesen Tagen. Der Arbeitsmarkt honoriert Fachwissen und die meisten Menschen interessiert – gerade mit Blick auf Fix- und Wunschkosten – nunmal die Sicht von Vater Markt. Finanziell scheint die Gleichung also zu sein: je mehr Spezialwissen in einem ökonomisch relevanten Bereich aufgebaut wurde, desto mehr kann nachher abkassiert werden, desto mehr Marktwert ist vorhanden.

Ganz so leicht ist es natürlich wie immer nicht und so kann auch der Tausendsassa mitreden wenn das kapitalistische Fell verteilt wird. Warum das so ist und welche Gründe es noch geben kann eine allgemeinere Richtung einzuschlagen, will ich im Folgenden aufzählen – völlig subjektiv, nicht wissenschaftlich und amateurhaft:

  • Zunächst kann ein Generalist in vielen Bereichen eine Vielzahl der jeweiligen Spezialisten überholen – zum Beispiel bei konsequenter Anwendung des berühmten Pareto-Prinzips, welches besagt dass 80 Prozent der gewünschten Ergebnisse mit nur 20 Prozent des Aufwands erreicht werden. Spezialisten überschätzen oft die Zeitaufwand eine Tätigkeit richtig gut zu beherrschen. Zudem führt bei mir die Frage, ob ich lieber eine Fertigkeit nahezu perfekt – Perfektion ist sowieso eine Illusion – oder viele Fertigkeiten überdurchschnittlich gut können will zu einem eindeutigen Ergebnis zu Gunsten der Vielfalt. Durch stetige Verbesserung in vielen Disziplinen gibt es häufiger Endorphinausschüttungen als bei der „Perfektion“ einer einzelnen Tätigkeit.
  • Generalisten können öfter als Spezialisten die Vogelperspektive einnehmen. Konzentriert man sich auf ein spezifisches Gebiet oder Anwendung, ist die Gefahr groß, nur noch die eigene Suppe gut zu finden und immer weiter darin zu rühren. So kann es bedeuten, dass eine zu enge Fokussierung auf ein Spezialgebiet mittel- und langfristig zum Nachteil wird, wenn die Technik oder Konkurrenz längst schon auf den nächsten Baum gesprungen ist. Bezieht man die Spezialisierung auf eine bestimmte politische Meinung oder Denkrichtung besteht außerdem durch die Abschottung nach außen bzw. der permanenten Selbstbestätigung durch den alleinigen Austausch mit Gleichgesinnten die Gefahr, engstirnig zu werden.
  • Gerade in der Wohlstandsgesellschaft der ersten Welt in der Grundbedürfnisse jederzeit erfüllt sind, braucht der Mensch geistige Nahrung – und nicht materielle Ersatzbefriedigungen – um nicht abzustumpfen. Depressionen sind eben eher die Folge von Eindimensionalität als von vielfältigen Interessen. Es gibt einen abnehmenden Grenznutzen und -genuss bei materiellen Besitztümern, wohingegen beim lebenslangen Lernen vielseitiger Themen der Genuss keine Grenze kennt.

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