Photoshop: Grundkenntnisse? Dem ehrlichen Lebenslauf gehört die Zukunft

Früher habe ich es auch getan. Ich habe meinem Lebenslauf – mit dem akademischen Extra-Bildungstouch Curriculum Vita(e) oder von den richtig coolen Businessmenschen See-Vee genannt – ordentlich gepimpt und dazu noch bisschen mit dem Zauberstab & Wunschdenken nachbearbeitet. Am Ende waren wie bei dem letzten Album einer großen Band nur noch die Greatest Hits und ein paar Bonustracks meines Lebens übrig.

Die vermeintlichen Highlights meines Lebens sollten damals dem Personalchef Müller und Frau Schmidt von Human Resources ein anerkennendes Nicken entlocken und mir vor allem den verdammten Termin zum Vorstellungsgespräch verschaffen.

Französisch: Gute Kenntnisse in Wort und Schrift …. HAHAHA

Neben den üblichen Stationen eines braven, studierten Menschen mit Abschlüssen, Praktika im In- und Ausland und später auch mit dünn bezahlten ersten Berufserfahrungen gab es auch Bonustracks, wie zum Beispiel:

  • ‘Französisch: Gute Kenntnisse in Wort und Schrift’. Die Wahrheit: Bestellung von Baguette und Cafe au Lait möglich und eine lebenslange Verliebtheit in Sophie Marceau
  • MS Office: sehr gute Kenntnisse’. Die Wahrheit: verglichen mit dem was Excel in der Tiefe kann, war ich schwebend über der Oberfläche.
  • und schließlich den Klassiker ‘Photoshop: Grundkenntnisse’. Die Wahrheit: 2 Youtube Videos dazu gesehen, eines davon nach 3 Minuten abgebrochen.

Hier eine Prise ‘verhandlungssicher’ eingefügen, dort ein ‘gute Kenntnisse’ addieren dazu alle Stationen aufführen, die als systemtreue Erfolge verkauft werden können? Ja, passt schon. Hört sich eben gut an, wird schon niemand genauer nachfragen und macht außerdem doch jeder. Über allem steht das Mantra: keine Schwächen zeigen und ja kein Lücke im Lebenslauf aufführen – aus dem halben Jahr Arbeitslosigkeit wird dann doch lieber die Weiterbildung im Bereich Social Skills obwohl du nur große Reden im Tennisverein und in der Bar geschwungen hast.

Mittlerweile weiß ich für mich dass diese Einstellung Bullshit ist. Trotzdem ist sie immer der Mainstream, da kann Mark Twain so viel Recht haben wie er will.

Im Gegenteil. Die sozialen Medien verstärken den Druck, ständig Highlight auf Highlight zu teilen und zu posten. Alle um Einen rum schlagen doch offensichtlich ständig Homeruns, da darf ich doch nicht abfallen, oder? Doch darfst du, denn eine Schicht unter der coolen, aalglatten Fassade ist bei den meisten Mitmenschen der Wunsch nach tieferer Verbindung zueinander, nach Ehrlichkeit und Authentizität. Es ist kein Wunder dass die Bücher von Brené Brown allesamt Bestseller und ihr Vortrag über Verletzlichkeit mit über 45 Millionen Aufrufen in den Top 5 der beliebtesten TED Talks ist.

Klicken Sie auf den unteren Button, um den Inhalt von www.ted.com zu laden.

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Die tiefere Verbindung zu anderen Menschen kann nur dann gelingen, wenn man Verletzlichkeit zulässt und sich öffnet. Das erfordert verdammt viel Mut, wird aber – nach meiner Erfahrung – immer belohnt und führt zur mehr Zufriedenheit und Glück. Das Schöne daran ist, man kann mit Verletzlichkeit eine Lawine ins Rollen bringen, denn öffnet man sich selbst, kommen meist auch Andere von ihrem coolen Ross runter (und um die Übrigen ist es eh nicht schade).

Authentisch schlägt Greatest Hits

Auf den Lebenslauf bezogen bedeutet das für mich, dass ich mich nie wieder Greatest Hits Album mit Bonustracks abgeben würde (Konjunktiv deshalb, weil ich bis an mein Arbeitslebensende Unternehmer bleiben möchte), sondern ein Album dass mich so wiedergibt wie ich bin, mit vielen Stärken, vielen Schwächen (nicht nur Ungeduld) und viel Unkenntnis (Photoshop, Französisch und und und).

Zum Schluss möchte ich mit dir 5 Zitate von der bereits erwähnten Brené Brown teilen, die dir und mir helfen werden, auf Verletzlichkeitskurs zu bleiben:

“You either walk inside your story and own it or you stand outside your story and hustle for your worthiness.”

“I want to be in the arena. I want to be brave with my life. And when we make the choice to dare greatly, we sign up to get our asses kicked. We can choose courage or we can choose comfort, but we can’t have both. Not at the same time.”

“Let go of who you think you’re supposed to be; embrace who you are.”

“Vulnerability is not winning or losing; it’s having the courage to show up and be seen when we have no control over the outcome.”

“A lot of cheap seats in the arena are filled with people who never venture onto the floor. They just hurl mean-spirited criticisms and put-downs from a safe distance. The problem is, when we stop caring what people think and stop feeling hurt by cruelty, we lose our ability to connect. But when we’re defined by what people think, we lose the courage to be vulnerable. Therefore, we need to be selective about the feedback we let into our lives. For me, if you’re not in the arena also getting your ass kicked, I’m not interested in your feedback.”

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