Die Mathematik des Erfolgs – Folge 6 aus der Artikelserie Kurze Hose, Lange Hose

Erfolg hat nur, wer etwas tut, während er auf den Erfolg wartet.“ 
Thomas Alva Edison 

Vorbemerkung: dieser Artikel ist eine subjektive Zusammenfassung von Kapitel 21 ‚The Math of Success‘ aus dem Buch ‚How to fail at almost anything and still win big‘ / ‚Die Kunst des erfolgreichen Scheiterns‘ des Dilbert-Erfinders Scott Adams. Ich empfehle das Buch jedem, der nicht schon auf dem persönlichen Olymp angekommen ist. Ich bin 41 Jahre alt und wünschte, ich hätte es schon wesentlich früher gelesen. Wenn du jünger wie ich bist, kannst du dir meinen Wunsch erfüllen und mich und viele andere Unwissende auf der Erfolgsstraße des Lebens lässig überholen. Natürlich nur, wenn du nach dem Lesen auch in die Umsetzung kommst. Überlege es dir. 

Die Kernaussage von Scott Adams: Du kannst das Glück nicht kontrollieren. Du kannst aber deine Chancen, im Leben erfolgreich zu werden, dramatisch erhöhen, wenn du mathematische Prinzipien für dich arbeiten lässt. 

Es gab eine Zeit in der Scott Adams einmal pro Woche als ratloser Verlierer gegen immer den gleichen Gegner vom Tennisplatz ging. Jahrelang ging das so und Scott konnte es sich einfach nicht erklären. War das geringere Spielniveau im Vergleich zu seinem Kontrahenten vielleicht anfangs noch eine logische Begründung für die konstanten Niederlagen, konnte das bereits nach einigen Monaten eigentlich nicht mehr der entscheidende Faktor sein. Das zeigten ihm nicht zuletzt seine Ergebnisse gegen andere Spieler, die mindestens das Niveau seines Angstgegners hatten.

Es musste es eine Erklärung, einen Hebel geben, den er ständig übersah. Irgendwann kam er auf die Lösung: sein Gegner und er spielten in zwei völlig unterschiedlichen Disziplinen. Während er leidenschaftliches Tennis mit vollem Einsatz spielte, praktizierte sein Gegner rationales Mathematik-Tennis. Seine eigene Rolle in dieser 1-2 stündigen Recheneinheit war lediglich die einer Schachfigur.

Tennis bietet viele Gelegenheiten, mathematisch zu denken und die Theorie praktisch auf dem Platz umzusetzen. Allerdings machen das die wenigsten Spieler. Ein Beispiel: 

Die beliebte Standardvariante der Vorhand ist, sie cross – also diagonal – über das Netz zum Gegner zu spielen. Der Schlag ist relativ risikolos, denn das Netz ist in der Mitte niedriger als an den Seiten. Neben dem geringen Risiko kann ein halbwegs geübter Spieler mit einer soliden Vorhand cross den Gegner ziemlich weit nach außen treiben.

Der Gegner hat nun seinerseits die Wahl: auf Nummer sicher gehen und ebenfalls cross zurückschlagen oder in der Hoffnung auf einen schnellen Punktgewinn (und eingesparte Puste) direkt longline bzw. die Linie entlang spielen. Diese Variante wählte auch Adams überdurchschnittlich häufig – mit bescheidenem Erfolg. Denn: der Longline-Schlag – so verführerisch und leicht er aussehen mag – misslingt (besonders auf dem niedrigen und mittleren Spielniveau) häufig. 

Im Tennis gibt viele weitere, vergleichbare Situationen in denen man die Wahl hat: Sicherheit versus Risiko, Rationalität versus Schlag des Tages, Taktik versus Spontanität. Das Gesamtresultat sind viele einzelne Wahrscheinlichkeitsrechnungen, die – clever für sich selbst genutzt – den Unterschied über Sieg und Niederlage ausmachen.

So war es auch bei Scott: kaum ließ der die Schläge mit höherer Fehlerwahrscheinlichkeit weg, fing er an, Matches gegen seinen vermeintlichen Nemesis zu gewinnen. 

Photo by Mudassir Ali on Unsplash

Hier gibt es eine wichtige Paralelle zum Geschäftsleben: du kannst dir die Mathematik  zu Nutze machen und eine Strategie überlegen oder unbewusst auf gut Glück weiterspielen.

Neben der Vermeidungstaktik, also fehleranfällige Züge zu vermeiden gibt es auch das Gegenstück: Fähigkeiten, deren grundsätzliche Beherrschung und Anwendung im Ernstfall deine Erfolgswahrscheinlichkeiten im Business dramatisch erhöhen. Das Tolle daran: du musst in den Zusatzqualifikationen nicht mal besonders gut sein. Ein Basisverständnis reicht oft schon aus, um gegenüber Mitkonkurrenten entscheidenen Vorteil zu haben. 

Scott Adams nennt in seinem Buch die folgenden 13 Bereiche, die aus seiner Sicht fast jeder Mensch (besonders jeder Business-Mensch) in seinem ‚Waffenarsenal‘ haben sollte. Auf die fettmarkierten Bereich gehe ich unten noch etwas genauer ein, ich empfehle dir aber, das ganze Kapitel genau durchzulesen (alle genannten Punkte bringen dich weiter, meine Auswahl ist komplett subjektiv).

  • Präsentieren bzw. öffentliche Rede
  • Psychologie 
  • Business Writing
  • Buchhaltung 
  • Design 
  • Konversation 
  • Schüchternheit überwinden 
  • Fremdsprachen 
  • Golf 
  • Korrekte Grammatik 
  • Überzeugungskunst 
  • Technologieverständnis 
  • Stimmtechnik 

„Every skill you acquire doubles your odds of success“

Scott Adams 

Präsentieren / Öffentliche Rede

Es gibt fast keinen Beruf im Business-Universum bei dem du um Präsentationen herumkommst. Dabei gibt es kaum etwas auf der Welt vor dem Menschen mehr Angst haben. Die Furcht vor der öffentlichen Rede ist in der individuellen Angsttabelle der meisten Menschen ganz oben – meist weit vor anderen ‚Klassikern‘ wie Höhen- und Flugangst, Angst vor Krankheiten oder sogar der Angst vor dem Tod.

Kannst du überzeugend und weitestgehend frei vor Menschen sprechen, ist das ungefähr so, als hättest du als Hochspringer Sprungfedern unter deinen Schuhen. Du kommst deutlich höher hinaus.

Scott Adams erzählt hier seine eigene Transformationsgeschichte.  Durch den Besuch eines Dale Carnegie Präsentationsseminar (Dale Carnegie Trainingszentrum) wird von einem eher durchschnittlichen zu einem überdurchschnittlichen Redner. Fast noch wichtiger: nach dem Seminar sind Präsentationen für ihn Genuss statt lästige Pflicht. Auf Basis seiner eigenen Erfahrungen und aller anderen Teilnehmer des Kurses spricht er zurecht davon, dass man die Fähigkeit, eine gute Präsentation oder Rede zu halten, lernen und trainieren kann. Ein ähnliches Seminar oder zumindest Weiterbildung und viel praktische Übung wird sich in jedem Fall für dich auszahlen. 

2 gute Bücher zum Weiterlesen über das Thema

Ein interessanter TED-Talk zum Thema: 

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Psychologie

Die Basis jeder sozialen oder geschäftlichen Interaktion ist Psychologie. Die meisten Menschen kennen allerdings nur die oberste Schicht des riesigen psychologischen Arsenals.

Die Kenntnis des 1×1 von Beeinflussung und Menschenkenntnis bringt dir noch keinen Wettbewerbsvorteil. Das Bild ändert sich jedoch schnell je mehr psychologische Prinzipien du kennen lernst, verstehst und anwenden kannst. Fast noch wichtiger als psychologische Kniffe gezielt selbst einzusetzen: du baust dir einen soliden Panzer gegen externe Manipulationen auf, der dich künftig vor falschen Entscheidungen schützt. Du erarbeitest dir sozusagen deinen eigenen Bullshitdetektor. 

Es ist beeindruckend wie vielen mentalen Verzerrungen und Manipulationen du jeden Tag extern und intern ausgesetzt bist. Ein Blick auf die entsprechende Liste kognitiver Verzerrungen kann für Aha-Effekte sorgen und dir Lust machen, dich näher mit der Thematik zu beschäftigen. Ein Grundverständnis psychologischer Prinzipien ist für deinen Erfolg essentiell wichtig. Auch wenn du pro Jahr nur eine einzige Manipulationsstrategie neu erlernst und wirklich verstehst, kannst du dir über dir Jahre ein beeindruckendes psychologisches Wissen aufbauen. 

2 gute Bücher zum Weiterlesen über das Thema

There are 3 primary drivers of results in life: your luck (randomness), your strategy (choices) and your actions (habits). Only 2 of the 3 are under your control. But if you master those 2, you can improve the odds that luck will work for you rather than against you.“

James Clear, Autor der 1 Prozent Methode / Atomic Habits 

Design

Jeder von uns ist ein Designer – egal ob du das willst oder dir das überhaupt bewusst ist. Wenn du dich anziehst, eine Website erstellst, ein Angebotspräsentation erstellst, einen Flyer auswählst oder das selbstgekochte Abendessen für deine besten Freunde auf Tellern herrichtest: immer ‚designst‘ du etwas und trägst es nach außen. Scott Adams schildert – selbst ohne angeborenes Talent in diesem Bereich – seine Überraschung als er erkannte, dass hinter den meisten Designs klare Regeln stecken. Regeln, die du lernen kannst und die du dann plötzlich überall wiederfindest. Wenn du nur ein paar Prinzipien kennst und auf deine ‚Design‘ im Geschäfts- und Privatleben anwenden kannst, bist du den meisten Mitmenschen schon deutlich überlegen. 

Ein nützlicher Link, um mehr darüber zu erfahren: 

Fremdsprachen (außer Englisch)

Neben Englisch eine weitere Sprache in Wort und Schrift richtig gut zu beherrschen, die halbwegs gebräuchlich ist (sorry tsakonisch, wilmesaurisch oder gagausisch) und nicht nerdy ist (sorry klingonisch) ist so als ob deine Schläge als Boxer plötzlich deutlich härter sind. Mehr Durchschlagskraft und Optionen im geschäftlichen Umfeld sind garantiert. Weitere Vorteile des Sprachenlernens gefällig? Du …

  • … bekommst mehr Selbstvertrauen 
  • … verbesserst deine geistige Gesundheit und beugst sogar Alzheimer vor 
  • … hast mehr Spaß beim Reisen und tauchst tiefer in die Kultur ein 
  • … wirst für andere attraktiver 
  • … schließt neue Freundschaften 
  • … kannst jederzeit woanders leben oder arbeiten

2 gute Bücher, die du lesen solltest bevor du mit dem Lernen einer neuen Sprache beginnst:

P.S.: Noch zwei Empfehlungen, die bei mir (beim Spanischlernen) den Unterschied gemacht haben: die Plattform Verbling für das unkomplizierte Sprechen mit einem Muttersprachler und die Mimic Method – eine völlig neue Herangehensweise beim Sprachen lernen. 

Technologieverständnis

Wir leben im Zeitalter der Nerds. Technik ist einfach überall. Ob du das gut findest oder traurig deine Schallplatte abstaubst, tut letzten Endes nichts zur Sache. Du wirst den Trend nicht aufhalten können. Jedem Menschen, der noch geschäftlich aktiv ist und keine Visitenkarte mit ‚Privatier‘ sein eigen nennt, bringt es jedenfalls etwas, sich mehr technisches Wissen anzueignen.

Adams schreibt völlig zurecht:
Every adult should have a basic understanding of how the Internet works, the steps involved in building a website, what the ‚cloud‘ is, and of course how to use computers, smart phones, tablets, etc. It’s hard to imagine any profession or start-up that wouldn’t require those skills at some level …“

 

2 gute Bücher zum Weiterlesen über das Thema

Wie anfangs erwähnt: es lohnt sich für dich, alle 13 von Adams vorgeschlagenen Bereiche genau anzuschauen und zu überlegen, welche konkreten Schritte zu unternehmen kannst, um dir die Mathematik der Erfolgs zu Nutze zu machen. 

Wenn du nur einen der genannten Bereiche wählen könntest, um besser zu werden: welcher wäre das? Schreib mir einen Kommentar. 


Beitragsbild: Photo by Josh Calabrese on Unsplash

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