Neue Serie: Vom Sport gelernt – Folge 1: Führung eines Teams

Dieser Beitrag ist der Start einer Artikelserie mit dem Titel Vom Sport gelernt. Ich selbst war Leistungssportler im Tennis (in einer Zeit in der Klinsmann, Bierhoff, Bobic und Reuter tatsächlich noch auf statt neben dem Fußballrasen standen). Aus dieser Zeit ist mir neben unzähligen Erinnerungen, vielen Freundschaften vor allem auch die lebenslange Leidenschaft & Faszination für den Sport in allen seinen Facetten geblieben. Über die letzten Jahre habe ich unzählige Fachartikel, Dokumentationen, Filme, Trainingspläne, Bücher oder Podcasts zu verschiedenen Sportthemen verschlungen und mir viele Gedanken und Notizen dazu gemacht.

Meine eigene Erfahrung hat mir gezeigt, dass sich erstaunlich viele Tools, Routinen, Denkweisen und Taktiken sowohl in kurzer als auch in langer Hose nutzen lassen und somit auf andere Lebensbereiche übertragen werden können. In dieser Reihe soll es um den Transfer des Wissens und um konkrete Handlungsempfehlungen gehen. Den Auftakt macht Basketball-Meistercoach Phil Jackson mit seinen 11 Führungsprinzipien, über die er in seinem sehr lesenswerten Buch ‚Eleven Rings‚ spricht. Diese Prinzipien lassen sich überall da anwenden wo es um die Führung von Teams und der dahinter stehenden Gruppendynamik geht.

Phil Jackson ….
… ist mit 11 gewonnenen Meisterschaften – 6 mit den Chicago Bulls und 5 mit den LA Lakers – der erfolgreichste Coach der NBA-Geschichte
… war selber über 10 Jahre Spieler in der NBA und wurde mit den New York Knicks zweimal Meister
… trainierte in seinen Mannschaften legendäre Spieler wie Michael Jordan, Scottie Pippen, Shaquille O’Neal und Kobe Bryant
… ist berühmt-berüchtigt aus genialen Individualisten ein richtiges Team zu formen

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Die 11 Führungsprinzipien von Meistercoach Phil Jackson

„Lead from the inside-out“
Es ist immer besser sich auf die eigenen Stärken zu konzentrieren und sein Team von innen zu führen statt reaktiv oder „outside-in“ zu überlegen, was der Gegner (oder allgemein die Konkurrenz) kann oder nicht kann und in der Konsequenz die Taktik nur am Gegner auszurichten.

„Bench the Ego“
Statt darauf zu bestehen als Chef das letzte Wort zu haben, ist es laut Jackson viel effektiver, jedem im Team Führungsverantwortung zu übertragen. Wenn der Teamgedanke hochgehalten werden soll, ist es widersinnig, dass ein Einziger – der Coach – weit über allen anderen steht und als eine Art unfehlbarer Herrscher regiert.

„Let each player discover his own destiny“
Inspiration schlägt Zwang. Es ist immer wirksamer, einzelne Teammitglieder zu einer Veränderung zu inspirieren statt sie zu gewünschten Handlungen zu zwingen. Dies kann zum Beispiel mit der Frage erreicht werden, wie der Einzelne seiner individuellen Persönlichkeit zum Erfolg des gesamten Teams beitragen kann. So bleibt der Eine in Drucksituationen gelassen, ein Anderer bringt Humor in die Mannschaft und ein Dritter ist mit seiner Disziplin ein Vorbild. Jeder trägt auf seine Weise zum Erfolg des Teams bei.

„The road to freedom is a beautiful system“
Ein System für eine Mannschaft vorzugeben ist sinnvoll, aber es ist besser, das System eher als groben Rahmen zu sehen statt den Raum für eigene Entscheidungen zu weit einzuschränken. Ein guter Coach vertraut darauf, dass seine Mannschaft – auch in Drucksituationen – eigene Lösungen finden wird.

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„Turn the mundane into the sacred“
Gemeinsame Rituale können – wenn sie mit der nötigen Aufrichtig- und Ernsthaftigkeit durchgeführt werden – auch aus dem Banalen etwas Besonderes machen und den Teamgeist entscheidend stärken. So lies Jackson seine Spieler vor dem Saisonstart einen Schwur aufsagen und eine Linie überqueren – als symbolischer Auftakt der gesamten Trainings- und Spielzeit.

„One breath – One mind“
Jackson war sowohl bei den Chicago Bulls als auch bei den LA Lakers dafür bekannt, die Spieler gemeinsam meditieren zu lassen und allgemein Wert auf Achtsamkeit zu legen. Die Spiritualität und Entspannung in der Gruppe gemeinsam zu erleben (synchrones Atmen bei einer Meditation), half später gelassener mit Drucksituationen umzugehen.

„The NBA has made a real issue about really making these superstars the premium that everybody wants to go to. That’s their calling card and their marketing tool. But the coaches at the other end of the sphere are trying to make everybody on the team, even nine, 10, 11, 12, just as important, and have a real role that’s meaningful.“

Phil Jackson

„The key to success is compassion“
Aktiv Mitgefühl zu zeigen gegenüber den Teamkameraden und sich selbst gegenüber ist für den Meistercoach einer der zentralen Schlüssel zum Erfolg – besonders in einem Mikrokosmos wie der NBA in dem es meist eher hart und gefühlskalt zugeht. Als Beispiel nennt er Michael Jordan, der nach seinem Ausflug in die Baseball-Welt und seinem Comeback 1995 bei den Bulls erst wieder in die Erfolgsspur fand als er auf seine (neuen) Mitspieler zuging und aufrichtig Interesse für sie zeigte.

„Keep your eye on the spirit, not on the scoreboard“
Zusammen ist man stärker als alleine – Individuen gewinnen höchstens mal ein Spiel aber keine Meisterschaft. Sah Jackson sein Team als Einheit agieren in dem kein Platz für egoistische Aktionen war und jeder trotzdem seine individuelle Rolle ausfüllte, lies er das Spiel auch in den entscheidenen Phasen einfach laufen ohne durch Auszeiten oder hektischem Coaching einzugreifen.

„Sometimes you have to pull out the big stick“
Ein Team zu führen bedeutet dass man nicht immer von jedem gemocht werden kann. Manchmal ist es eine strengere Gangart nötig – nicht um ein Teammitglied zu ärgern sondern weil es die Situation oder Arbeitsumgebung erfordert. Phil Jackson hat sich während seiner Zeit als Coach immer wieder besondere, unbequeme Herausforderungen im Training für seine Spieler ausgedacht, um sie für die harte Realität vorzubereiten.

„When in doubt, do nothing“
Vor ein Problem gestellt, tendieren die meisten Menschen dazu ständig aktiv die Lösung zu suchen. Wissenschaftliche Studien zeigen uns, dass das Unterbewusstsein aber auch dann weiter „arbeitet“, wenn wir uns auf etwas anderes konzentrieren oder ganz bewusst „nichts“ machen. Paradoxerweise können wir so durch Pausen die Probleme oftmals viel schneller lösen.

„Forget the ring“
Du wirst immer verlieren wenn du dich zu sehr auf das Gewinnen konzentrierst. Viel besser ist es sich auf den Prozess zu konzentrieren und darauf, die bestmöglichen Bedingungen für den Erfolg herzustellen. In den Worten der Trainerlegende: „Thats why at the start of every season I always encouraged players to focus on the journey rather than the goal. „What matters most is playing the game the right way and having the courage to grow, as human beings as well as basketball players. When you do that, the ring takes care of itself.“ Zur Erklärung: alle Spieler und Trainer der NBA-Meistermannschaft erhalten einen sog. championship ring.

3 Antworten auf „Neue Serie: Vom Sport gelernt – Folge 1: Führung eines Teams“

  1. Hallo Max, ein super Artikel. Schade das diese Art der Fuehrung eines Teams durch die krassen Abstand von finanzstarken und finanzschwachen Mannschaften kaum noch Ansatz findet. Ich meine damit , schau dir heute ein 7 Jahriges Kind an , das Fussball in Deutschland liebt. Das Kind kennt nur den FC Bayern Muenchen als Deutschen Meister :/ Habe hier noch 3 Zusatzpunkte gefunden ,die wohl Steven Kerr auch bei den Golden State Warriors anwendet. https://www.inc.com/justin-bariso/steve-kerr-scottie-pippen-just-revealed-3-ways-phil-jackson-kept-chicago-bulls-motivated.html Stay tuned..planetlevent

    1. Hi Levent, vielen Dank für dein Feedback und den tollen Link 🙂 Ich gebe dir vollkommen Recht: Fußball ist unter den Sportarten in Deutschland viel zu dominant und innerhalb des deutschen Fußballs ist es Bayern. Allerdings hat sich der FCB die Dominanz auch lange erarbeitet und die anderen Mannschaften dürfen nicht alles an den Bayern festmachen. Wenn ich zu fortgeschrittener Saison einen Satz vom Tabellenführer höre ‚Wir dürfen das Wort Meisterschaft jetzt noch nicht in den Mund nehmen‘ frage ich mich was das soll. Ciao

  2. Vielen Dank fuer deine Antwort @MAX. Ja mit der Dominanz erarbeiten ist das so ein zweischneidiges Thema. Wenn die guten Spieler nur ein Verein kaufen kann, weil er extrem gesponsert wird,koennen die anderen Teams auch keine Dominanz aufbauen. Das war frueher ueber den Teamspirit wesentlich leichter als David den Goliath zu besiegen. Aber du hast Recht: Nichts ist unmoeglich !! Danke fuer den Ansatz 🙂

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