Und, was machst du so? Ein kurzes Plädoyer für mehr Fragenvariation mit 10 konkreten Vorschlägen

Es gibt wahrscheinlich keine Frage, die ich häufiger von Menschen gefragt wurde, die ich erst einen kurzen Moment vorher kennen gelernt hatte. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich selbst aus zeitlicher Not (diese Stille, diese verdammte Stille), Unkreativität (sch…., wir fällt gerade wirklich nichts anderes ein) oder banaler Faulheit (ich kann mir die langweilige Antwort denken, aber dann frage ich halt mal) oft zu dieser abgenudelten Phrase gegriffen habe.

Meist taucht die Frage irgendwann zwischen den Lebensjahren 19 und 25 zum ersten Mal auf und kommt danach einfach immer und immer wieder – wie Chris de Burgh damals als Gast bei ‚Wetten, dass…?‘. Sie ist zwar abgedroschen wie ein alter Schlager, aber es ist auch kein Zufall, dass sie oftmals sogar noch vor der Frage nach dem eigenem Namen kommt. Wenn wir ehrlich sind, wollen wir damit doch möglichst früh zumindest ein bisschen abchecken, ob der Gegenüber unsere (vermeintlich) kostbare Zeit überhaupt wert ist. Wenn die Antwort nicht nach unseren Vorstellungen oder Wünschen ausfällt, sind wir meist entweder notgeil und bleiben (wobei wir uns mit der Frage in diesem Fall keinen Gefallen tun) oder spielen im Kopf Rückzugsstrategien durch und gehen bei nächster Gelegenheit.

Unabhängig von der Intention ist die Frage ‚Und, was machst du so?‘ aber vor allem eines: langweilig. Ich habe mir daher schon vor längerem verboten, sie zu stellen und gleichzeitig vorgenommen stattdessen entweder:

  • Gar nichts zu fragen und meinen Mund nur fürs Buffet oder den Gin Tonic zu öffnen
  • Oder eine Frage zu stellen, die mein Gegenüber nicht schon 412 x mal gehört hat

„Whenever you find yourself on the side of the majority, it is time to pause and reflect“

Mark Twain

Andere – 08/15 – Fragen zu stellen ist anfangs vielleicht ein wenig unkomfortabel, führt aber meistens zu so dermaßen guten Reaktionen, dass man allein dadurch schon aus der grauen Wiegehtswokommstduherwoherkenntihreuchwasmachstduso-Masse heraussticht und die Qualität und Unterhaltungsgrad der Gespräche in der Folge signifikant ansteigt. Dabei muss nicht das Rad neu erfunden werden oft reichen kleiner Änderungen für große Wirkungen.

Nachfolgend 10 konkrete Vorschläge für die Frühphase eines Gesprächs mit jemand (nahezu) Unbekannten:

  • Was beschäftigt dich gerade in deinem Leben?
  • Was wolltest du werden als du klein warst?
  • Was ist das letzte Foto das du gemacht hast?
  • Was ist die beste Sache die dir in diesem Monat passiert ist?
  • Wie schaut ein perfekter Tag für dich aus?
  • Was ist etwas über dich was die Leute niemals denken würden, wenn sie dich sehen?
  • Was ist etwas, das du mir beibringen könntest?
  • Wenn du mit einer Person deiner Wahl essen gehen könntest? Wer wäre es und warum?
  • Was ist das beste Geschenk das du jemals bekommen hast?
  • Was wäre anders in deinem Leben wenn Geld keine Rolle spielen würde?

Was sind deine Lieblings-08/15-Fragen? Hinterlasse mir einen Kommentar. Ich freue mich.

2 Antworten auf „Und, was machst du so? Ein kurzes Plädoyer für mehr Fragenvariation mit 10 konkreten Vorschlägen“

  1. Lieber Max,
    vielen Dank für Deine konkreten Tipps zu Fragen in Gesprächen. Viele Deiner Formulierungen passen (evtl. mit kleinen Abwandlungen) auch für eine bestehende Partnerschaft sehr gut – und sind damit eine interessante Anregung für Paare.
    Herzliche Grüße
    Maren, Paarberaterin und Coach

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